Venusfiguren

Venusfiguren ist ein Sammelbegriff für einige vorgeschichtliche Funde von offensichtlich weiblichen Statuetten. Die meisten stammen aus dem Aurignacien oder Gravettien im Jungpaläolithikum Europas und sind bis zu 30.000 Jahre alt.

Die meisten der gefunden Figuren zeigen stark ausgeprägte weibliche Merkmale, besonders die Brüste und das Gesäß sind stark akzentuiert, aber auch Bauch und Schenkel wurden überproportional dargestellt. Massiv vernachlässigt oder auch gar nicht ausgeführt wurde dagegen meistens das Gesicht der Statuetten. Die Figuren sind jeweils nur wenige bis etwa 15 cm hoch.
Die Venus von Willendorf ist aus Kalkstein (Oolith) und stellt eine 11 cm hohe, nackte Frauenfigur mit vollen Brüsten, ausgeprägtem Schamhügel und breitem Gesäß dar. Der Kopf hat kein Gesicht, aber eine lockige Frisur.

Hergestellt wurden die Venusfiguren aus Stein, Knochen oder Elfenbein, sie wurden aber auch aus Ton und Lehm geformt und gebrannt. Letztere stellen somit einige der ältesten bekannten Formen von Keramik dar.

Die Venusfiguren dienten der Darstellung oder Förderung der menschlichen Fruchtbarkeit durch Fruchtbarkeitssymbole oder Abbildungen von Göttinnen oder eine Mischung aus beidem. Es wird auch von paläolithischen Pin-ups gesprochen. Ein Zusammenhang mit der Fruchtbarkeit von Feldern ist auszuschließen, da der Ackerbau erst später erfunden wurde.

Venusfiguren aus Kalkstein, Speckstein oder Elfenbein, sogar aus Ton, wurden über ein 3000 km weites Verbreitungsgebiet von Europa bis nach Sibirien gefunden, mittlerweile über 200 Exemplare. Heute geht man von einer einheitlichen religiösen Vorstellung während der Spätphase des Gravettien, also vor dem Höhepunkt der letzten Eiszeit aus, in der bereits großer Mangel herrschte und die Geburtenrate allmählich zurückging. Am Ende dieser Phase vor 20.000 Jahren war Mitteleuropa vollständig Homo sapiens verlassen worden. Erst Jahrtausende später wurde Europa von einer kleinwüchsigeren Bevölkerung neu besiedelt, die mit ganz anderen kulturellen Äußerungen die Höhlen bewohnten. Die dicken Venusfiguren waren verschwunden.

Es gibt Vermutungen über einen Zusammenhang zwischen den Figuren und der Steatopygie der Khoisan.
Die ältesten Venusfiguren sind die Venus von Berekhat Ram (gefunden auf den Golanhöhen), auf ein Alter zwischen 300.000 und 200.000 Jahren datiert, und die Venus von Tan-Tan (Marokko), zwischen 500.000 und 300.000 Jahre alt, also dem Acheuléen zugehörig.

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Venus von Willendorf, Foto: Matthias Kabel, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported